Sonntag, 10. Oktober 2010

Farewell Mount Ruapehu

Es ist bereits lange her, seit meinem letzten Bericht. Der Grund ist recht simpel: Der Sturm ist weiter gezogen und hinterließ einen weißen Berg im Sonnenschein. Hinzu kamen noch die Schulferien.
Dies führte dazu, dass wir noch mal richtig „busy“ wurden. Das Knoll Ridge Team war meistens im ersten Bus, der morgens hochfuhr und eigentlich immer die letzten, die mit einem Sonderbus Heimkamen. Und auch wenn ich mich jeden Morgen, nach einer kurzen Nacht aus dem Bett quälen musste, die Arbeit steht’s stressig und überhaupt nie genug Zeit war, um sich genügend vorzubereiten, war es eine super Zeit. Zum einen waren der Kollegen einfach spitze und zum anderen hat das Skifahren, nach der Arbeit, runter zum Parkplatz auf einer leeren Piste im Sonnenuntergang für vieles entschädigt.
Und dann gab es da noch die Partys, die gegen Ende der Season immer zahlreicher und besser wurden. Die Zeit die da noch übrig geblieben ist, mussten wir in den Hausputz investieren. Daher bin ich einfach nicht dazu gekommen, euch auf den neusten Stand zu bringen.

Wie ihr euch schon denken könnt habe ich also die letzten Wochen in vollen Zügen genossen und nebenbei auch noch einiges an Geld gemacht.
Am 6. Oktober ist unser Headchef Dwayne dann für 6 Tagen nach Australien geflogen. Daher hat Rico für die letzten sechs Tage die Rolle des Headchefs inne, was er sicherlich mit gemischten Gefühlen sieht, da er eigentlich mit den Bestellungen nichts zu tun haben wollte.
Am 7. Oktober hatte ich dann meinen letzten Arbeitstag der ungewöhnlich ruhig verlief. Am Abend wollte ich dann mit 4-5 Freunden ein Farewell Bier trinken. Irgendwie ist aber daraus eine große Party geworden, bis wir aus dem Pub geworfen wurden, da dieser schloss. Wir zogen, gut angeheitert, weiter zum nächsten und feierten und tranken bis tief in der Nacht auch dieser Pub zum letzten Drink aufforderte und der letzte Song in den Lautsprechern verstummte.
Spät in der Nacht, oder vielleicht auch schon am frühen morgen, so genau kann ich das nicht mehr sagen, gingen wir alle nach Hause um zwei Stunden später wider aufzustehen. Rico und die andern Köche um die Küchen an zuschmeißen und ich um meine letzten Sachen zu packen und um mich auf dem langen, traurigen Weg nach Auckland zu machen.
Der beschriebene Tag, war nur einer von vielen super Tagen auf dem Mount Ruapehu, aber er machte mir den Abschied umso schwerer und zeigte mir deutlicher als je zuvor, wie sehr ich diese Zeit vermissen werde.
Oft hatte ich mich in den letzten Monaten gefragt, ob ich wohl ein weiteres mal verlängern würde, wenn ich denn könnte. Bis vor kurzem konnte ich dies nicht klar beantworten, doch mittlerweile ist meine Antwort ein klares „Ja!!!“.
Leider steht dies aber nicht mehr zur Debatte und so stand ich am 7. Oktober früh auf um alles für den Trip nach Auckland vorzubereiten. Blöderweise hielt mich die Vermieterin immer wider auf, da das Haus in ihren Augen an manchen Stellen noch nicht sauber genug war. Das ging in etwa so:

Ich: I am leaving, See you Franky!
Franky: Wait, let me check the House first. … What is about this? And that?

Das ging drei- bis viermal so, wegen Kleinigkeiten, die wir nicht einmal verdreckt haben, während mir die Zeit davon lief. Irgendwann habe ich mich dann raus geschlichen und bin einfach abgehauen.
Die Fahrt nach Auckland viel mir schwer. Nicht nur weil ich erneut viele sehr gute Freunde, und Rico als den besten von ihnen, zurückließ. Vor allem aber da ich wusste das dies eine Reise ohne Wiederkehr war. Auch wenn man sich gegenseitig versprochen hat, sich baldmöglichst zu besuchen, weiß ich, maximal eine handvoll von ihnen in den nächsten Jahren wider zu sehen. Und selbst dies wird nicht mit der Zeit zu vergleichen sein, die wir hier in den letzten Monaten hatten.
Es muss passiert sein, als ich den Erinnerungen schwelgte, dass sich eine, unter hohem Druck stehende Ölleitung durchscheuerte und sich das gesamte Motorenöl innerhalb von Sekunden explosionsartig auf dem Asphalt entlud. Ich bekam von dem ganzen zunächst nichts mit, bis ich nach hinten schaute und nichts sah, außer einer, von Öl, schwarz gefärbten Wand, die mal meine Heckscheibe war.
Ich versuchte noch meinen Van ins nächste Dorf zur Werkstatt zu bringen. Jedoch musste ich fünf Minuten vor Te Kuiti anhalten und stehen lassen, da mir der Motor drohte durchzubrennen. Ein weiteres Mal kam mein Mitsubishi aus eigener Kraft nicht weiter. All die schönen Erinnerungen wurden verdrängt von dem Fluch, der mich schon so viel Geld und Nerven gekostet hat.
Meine Stimmung erreichte ihren Tiefpunkt als zunächst von einem Totalschaden die Rede war. Als dieser vom Tisch war besserte sich diese nur ein wenig da die Reparatur an diesem Freitag nicht mehr zu schaffen sei. Dies waren immer noch denkbar schlechte Nachrichten, da am nächsten Tag schon der Car-Market war. Glücklicherweise schaffte ich es dann noch einen der Mechaniker mit Bier zu bestechen und zu ein paar Überstunden zu bewegen. Nach vier Stunden Zwangspause war ich endlich wider auf der Straße mit Richtung Auckland. Es war schon spät in der Nacht als ich, mit Energy Drinks voll gepumpt, die mir schon gut bekannte Hostel „The Brown Kiwi“ erreichte.
Es dauerte noch ein wenig bis ich meinen Van entladen hatte und ich todmüde ins Bett fiel und innerhalb von Sekunden eingeschlafen war.
Morgen werde ich wider früh aufstehen um den Van noch einmal auszusaugen und auszuwischen und dann hoffentlich bald verkaufen.

Arohanui
Jan-Lasse

Ich, in voller Uniform.
Kevin, ein sau cooler Typ aus den USA.
Die Küchencrew an meinem letzten Tag.
Rico war zu busy für das Foto. Als Headchef ist er jetzt für die Bestellungen zuständig.
Michelle und Tara aus der "Coffee Corner".

Die Farewell Party an meinem letzten Abend. Einfach eine Hammer Truppe.

1 Kommentar:

  1. Hallo Bruderherz!
    Ich kann verstehen, dass Dir der Abschied schwer fällt. Trotzdem solltest Du versuchen nicht allzu traurig darüber zu sein, sondern Dich freuen, dass Du dort so eine schöne Zeit hattest... Und wir freuen uns auf Dich!!!
    LG, Inken

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